Entstehungsgeschichte AT Rahmeder Kalvill (AT Sigmar Hauck-Apfel)

Bei der Sorte handelt es sich um einen Zufallssämling aus dem Rahmedetal zwischen Lüdenscheid-Dünnebrett und Lüdenscheid-Oberrahmede. Der kleine Fluss Rahmede, der in Lüdenscheid entspringt und in Altena in die Lenne mündet, ist namensgebend für das Tal. Der Apfel wurde dort Anfang der 2000er Jahre von dem Lüdenscheider Naturschützer und Landschaftswächter Sigmar Hauck in einer Hecke am Straßenrand gefunden. Wahrscheinlich war der Baum einige Jahre zuvor hier aus weggeworfenen Apfelresten entstanden.

Herr Hauck machte im Jahr 2005 Volker Knipp vom Pomologenverein auf den interessant aussehenden Apfel aufmerksam. Die Früchte wurden anschließend ohne Erfolg beim Sauerländer Apfelfest einem Pomologen zur Bestimmung vorgelegt. Durch die Fruchtform mit ihrer leichten Rippung wurde der  Apfel später „AT Rahmeder Kalvill“  genannt. Da der Mutterbaum in der Hecke ein „Schattendasein“ führte und auch keinen stärkeren Neutrieb zur Gewinnung von Edelreisern aufwies, wurde er im Jahr 2006 an seinem ursprünglichen Standort ausgegraben und auf eine Obstwiese in Altena-Mühlenrahmede gepflanzt.

Nachdem die Umsiedelung gelungen war und der Baum einen guten Neutrieb zur Reisergewinnung entwickelte hatte, zog Siegfried Geck, ein Sortenerhalter aus dem Pomologenverein, später in seiner kleinen privaten Baumschule bei Herscheid einige Jungbäume des „AT Rahmeder Kalvills“ auf der mittelstarken Unterlage MM 106 heran.

Wahrscheinlich über den Kontakt zu Steffen Kahl sind Edelreiser der Sorte im Jahr 2007 durch Volker Knipp auch nach Hessen verschickt worden, wo sie auf einer Reiserbörse eine weitere Verbreitung fanden.

Nach dem plötzlichen Tod von Sigmar Hauck im Herbst 2011, beschloss Volker Knipp den Apfel nach seinem Entdecker zu nennen. Durch die Unterstützung von Herrn Hauck konnte im Jahr 2008 noch ein weiterer wertvoller Mostapfel als Zufallssämling in Ütterlingsen bei Werdohl gefunden werden.

Insgesamt stehen aktuell im Märkischen Kreis neben dem Mutterbaum vier weitere  Bäume des AT Rahmeder Kalvills/ AT Sigmar Hauck-Apfels. Diese werden im Sortengarten Hemer, beim NSG Lüdenscheid-Stilleking und am neuen Standort des Naturschutzzentrums MK in Lüdenscheid am Oelken erhalten.

Bei den zwei Bäumen der Sorte in Lüdenscheid am Stilleking, auf der mittelstarken Unterlage MM 106, fällt der schwache Wuchs der Sorte auf. Trotz regelmäßigen stärkeren Rückschnitts entwickeln sie nur eine kleine bis mittelgroße Krone. Die Sorte scheint auch relativ unempfindlich für Krankheiten zu sein. Da die Bäume des AT Rahmeder Kalvills am Stilleking auf etwas ärmeren und steinigen Boden wachsen, konnte bisher, anders als an Standorten in Hessen, noch kein nennenswerter Ertrag verzeichnet werden. Insgesamt entwickelt die Sorte eine breitpyramidale und gut verzweigte Krone.

 

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(Steffen Kahl, Pomologen-Verein, LG-Hessen / Volker Knipp, Naturschutzzentrum-Märkischer Kreis)